EXP:Einseitiger und Zweiseitiger Hebel
Mithilfe dieses Experiments soll die Funktionsweise eines einseitigen und eines zweiseitigen Hebels demonstriert werden. Auf das existierende Drehmomentgleichgewicht (Hebelgesetz: ) kann eingegangen werden.
Didaktischer Rahmen
Fachdidaktische Zielsetzung
Mithilfe dieses Experiments soll die Physik hinter einer Alltagsanwendung verstanden werden. Im gleichen Atemzug sollen den SuS mit diesem Experiment die Gesetzmäßigkeit hinter dem Drehmoment näher gebracht werden. Dazu sollen die Schülerinnen und Schüler (SuS) ihr Wissen zur Kräften anwenden und vertiefen. In der Auswertung des Experiments sollen die SuS dann aus den hergeleiteten proportionalen Zusammenhängen eine Gleichung entwickeln.
Nötige Vorkenntnisse
Für dieses Experiment muss zentral die Kraft als Vektor bekannt sein. Sie müssen die Gewichtskraft mit ihrer Formel , das Wechselwirkungsprinzip, die Kräfteaddition und das Konzept der resultierende Kraft beherrschen. Hinzu kommen mathematische Vorkenntnisse bis zur Klasse 7. Das schließt die Darstellung in Tabellen und Diagrammen von linearen Zusammenhängen mit ein. Die SuS wissen bereits, dass eine Umlenkrolle genutzt wird um die Richtung der Kraft zu ändern.
Mögliche Schülerschwierigkeiten
- Bei diesem Experiment ist es für die SuS nicht einfach zu erkennen wie weit genau die Massestücke bzw. Federkraftmesser vom Drehpunkt des Hebels aus angreifen. Das Verwenden einer deutlich zu erkennenden Skala bietet sich hier an.
- Auch die Massen der verwendeten Massestücke ist von weit weg nur schwer zu erkennen. Es bietet sich daher als an entweder die Massestücke zu beschriften, immer identische Massestücke zu verwenden oder auf Federkraftmesser mit deutlicher Skala umzusteigen.
Schülervorstellungen, die hier relevant werden
Nach Jung [1] vereinen die SuS die Begriffe Energie, Stärke, Wucht und Schwung unter dem Begriff der Kraft. Für das Verständis der Kraft nach Newton fehlt den SuS allerdings das Verständnis der Wechselwirkung. Das Verständnis der SuS überlappt dabei am ehesten mit der kinetischen Energie. Ob die SuS nun gerlernt haben die Begriffe Energie, Impuls und Kraft zu trennen ist dabei unabhängig von der Fähigkeit mit der Gleichung physikalische Größen zu berechnen.[2] In diesem Experiment wird konkret nur der Begriff der Kraft benötigt. Er muss also wiederholt von den anderen beiden Begriffen abgegrenzt werden.
Als weitere relevante Schülervorstellung kommt hinzu, dass die SuS die Kraft gedanklich an eine Geschwindigkeit koppeln. Damit üben schnellere Gegenstände automatisch auch eine höhere Kraft aus.[3] In diesem Experiment befinden sich allerdings alle Körper in Ruhe und dennoch müssen wirkende Kräfte betrachtet werden. Bei den SuS kann das zu einem Unverständnis führen.
Als letzte relevante Schülervorstellung spielt hier die Vorstellung mit rein, dass immer die stärkere Kraft gewinnt, sollten mehrere Kräfte wirken.[4] Da bei diesem Experiment mehrere Kräfte wirken und somit die resultierende Kraft betrachtet werden muss kann diese Schülervorstellung zu verwirrenden Aussagen führen.
| Klassenstufe | Klasse 7/8 |
|---|---|
| Kategorie | Mechanik, Kräfte |
| Einordnung in den Bildungsplan von BW | Mechanik: Dynamik, Punkt: 3.2.9 (7) |
| Quantitativ/Qualitativ | Quantitativ |
|---|---|
| Demo-/Schülerexperiment | Beides möglich |
| Unterrichtsphase | Vertiefungsphase |
| Einzelversuch/Versuchsreihe | Versuchsreihe |
Versuchsanleitung
Benötigtes Material
- Stativstange (50 cm)
- Meterstab mit farblich markierter Skala
- Verschiedene Massestücke
- M3 Schraube als Drehachse
- Federkraftmesser
- Muffe mit Haken
- Doppelmuffe
- Stativfuß
- Lochschiene mit Löchern in regelmäßigem Abstand (5 cm)
Versuchsaufbau
Der zweiseitige Hebel
Für den zweiseitigen Hebel wird die Stativstange auf der Grundplatte befestigt. Dies bildet das Gerüst des Versuchs. An der Stativstange wird, wie in Abbildung 2 zu sehen, die Lochschiene mit Hilfe einer Schraube und der einfachen Muffe befestigt. Hierbei ist zu beachten, dass die Lochschiene möglichst ohne Reibung frei drehbar montiert wird. Das Lineal wir durch die Doppeltmuffe oberhalb der Schiene ebenfalls an der Stativstange angebracht (siehe Abbildung 3). Nun können die (beschrifteten!) Massestücke in die Löcher eingehängt werden. Alternativ bietet es sich auch an nur identische Massestücke zu verwenden und die Masse zu Beginn zu notieren. So lässt sich jeder Zeit berechnen, welche Massen gerade eingehängt werden.
Der einseitige Hebel
Für den einseitigen Hebel muss lediglich das Lineal hinter der Schiene positioniert werden (Abbildung 4) und die rechte Seite des Versuchs abgedeckt werden. So kann problemlos der Federkraftmesser an der Außenkante der Schiene eingehängt werden und die SuS sehen die Anzeige ohne Hindernis.
Versuchsdurchführung
Nun müssen nacheinander, sowohl für den einseitigen als auch für den zweiseitigen Hebel, verschiedene Massetück-Strecke-Kombinationen ausprobiert und notiert werden.
Auswertung
| Linke Seite | Rechte Seite | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Abstand (m) |
Masse (kg) |
Kraft (N) |
Drehmoment (Nm) |
Abstand (m) |
Masse (kg) |
Kraft (N) |
Drehmoment (Nm) |
| 0,15 | 0,1 | 1 | 0,15 | 0,05 | 0,3 | 3 | 0,15 |
| 0,10 | 0,2 | 2 | 0,20 | 0,20 | 0,1 | 1 | 0,20 |
| 0,05 | 0,5 | 5 | 0,25 | 0,25 | 0,1 | 1 | 0,25 |
| Unten (Massestücke) | Oben (Federkraftmesser) | |||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Abstand (m) |
Masse (kg) |
Kraft (N) |
Drehmoment (Nm) |
Abstand (m) |
Kraft (N) |
Drehmoment (Nm) |
| 0,2 | 0,2 | 2 | 0,4 | 0,25 | 1,6 | 0,4 |
| 0,05 | 0,5 | 5 | 0,25 | 0,25 | 1 | 0,25 |
| 0,15 | 0,1 | 1 | 0,15 | 0,25 | 0,6 | 0,15 |
Fehlerabschätzung
Zu den Störeinflüssen des Hebelaufbaus gehört die reibungsbehaftete Lagerung der Drehachse durch die Schraube. Zudem bestehen diverse Ungenauigkeiten im Versuchsaufbau. Eine kleine Veränderung der Lochpositionen kann dazu führen, dass die Gleichgewichtslage trotz rechnerischem Gleichgewicht nicht eingehalten werden. Auch die Toleranzen bei den Massestücken können zu einer Messabweichung führen. Diese hängt von der Qualität der Massestücke ab und kann im Bereich von ca. 2% der angegebenen Masse liegen. Für die Versuchsdurchführung mit einer Erdbeschleunigung von 10 gerechnet. Aufgrund der zuvor genannten Störgrößen kann an dieser Stelle auch bei der Erdbeschleunigung gerundete Werte genommen werden. Diese vereinfachen die Rechnung und durch die begrenzte Ablesegenauigkeit des Federmessers kann dieser Fehler hingenommen werden. Allerdings entstehen Abweichungen zwischen den tatsächlich gemessenen Kräften und den berechneten Ergebnissen.
Mögliche Probleme und ihre Lösungen
Treten beim Experiment häufiger Fehler auf? Bitte beschreibe sie hier.
Sicherheitshinweise
Hier nötige Sicherheitshinweise notieren. Ggf. Betriebsanweisung verlinken.
Fotos
Am Ende des Dokuments kommt eine Galerie aller Bilder, die zu diesem Experiment unter dem Namensraum "Datei:" bereits vorhanden sind. Im Allgemeinen lohnt es sich häufig auch, bereits bestehende Texte und deren Syntax zu betrachten:
<div class="row">
<div class="large-4 large-centered columns">
<ul class="example-orbit" data-orbit>
<li>
[[Datei:Bild.png|slide 1]]
<div class="orbit-caption">
Bildbeschreibung
</div>
</li>
</ul>
</div>
</div>
Literatur
- ↑ Jung, W. (1981): Vorstellungen über Kraft undd Stoß bei Schülern vom 8. bis 11. Schuljahr. In: W. Jung, H. Wiesner, P. Engelhard (Hrsg.): Vorstellungen von Schülern über Begriffe der Newtonschen Mechanik, Bad Salzdetfurth: Franzbecker, S. 63-111
- ↑ H. Schecker, T. Wilhelm, M. Hopf, R. Duit (Hrsg.) (2018). Schülervorstellungen und Physikunterricht. Ein Lehrbuch für Studium, Referendariat und Unterrichtspraxis. Berlin: Springer-Verlag GmbH. S. 70.
- ↑ H. Schecker, T. Wilhelm, M. Hopf, R. Duit (Hrsg.) (2018). Schülervorstellungen und Physikunterricht. Ein Lehrbuch für Studium, Referendariat und Unterrichtspraxis. Berlin: Springer-Verlag GmbH. S. 72.
- ↑ H. Schecker, T. Wilhelm, M. Hopf, R. Duit (Hrsg.) (2018). Schülervorstellungen und Physikunterricht. Ein Lehrbuch für Studium, Referendariat und Unterrichtspraxis. Berlin: Springer-Verlag GmbH. S. 75.
Universität Stuttgart, 5. Physikalisches Institut, AG Physik und ihre Didaktik, lizenziert unter CC BY-NC-SA 4.0
