Michelson Interferometer mit Ultraschallwellen: Unterschied zwischen den Versionen
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Version vom 16. November 2023, 10:46 Uhr
An einem Interferometer überlagern sich die Ultraschallwellen in Abhängigkeit der Schirmposition konstruktiv oder destruktiv. Das Empfängersignal wird an einem Oszilloskop ausgewertet. Über den Abstand des Schirms zwischen zwei Interferenzpositionen wird die Wellenlänge und anschließend die Schallgeschwindigkeit berechnet. Durch den Versuch werden die Inhalte Amplitude, Wellenlänge und Schallgeschwindigkeit thematisiert.
Theoretische Zusammenfassung
Im grundlegendsten Aufbau ist das Michelson Interferometer ist als Messmethode für Längenänderungen bekannt. Die Messauflösung liegt bei Licht im Bereich einer halben Wellenlänge. Dabei wird ein Laserstrahl auf einen Strahlteiler gerichtet. Die beiden Laserstrahlen treffen jeweils auf einen Spiegel und werden dort reflektiert. Dabei ist ein Spiegel beweglich und der andere fest. Die reflektierten Lichtwellen treffen beim Strahlteiler wieder aufeinander und überlagern sich dort. Je nach Position des beweglichen Spiegels kommt es am Strahlteiler entweder zur konstruktive oder destruktive Interferenz. Auf einem Schirm ist dann das Interferenzbild zu sehen. Umso geringer die Wellenlänge des Lasers, desto sensitiver die Messung, denn mit der Verschiebung des beweglichen Spiegels kommt es im Abstand von abwechselnd zur konstruktiven und destruktiven Interferenz. Das bedeutet, dass sich der bewegliche Spiegel um
bewegt haben muss. Bei der Verwendung eines grünen Lasers mit einer Wellenlänge von kann durch ein Interferometer eine Positionsänderung von
am beweglichen Spiegel gemessen werden. Das Interferometer funktioniert nicht nur mit Licht, sondern mit jeder Art von Wellen. In diesem Fall werden Ultraschallwellen eingesetzt. Die Gleichung
erlaubt einen Zusammenhang zwischen Frequenz, Wellenlänge und Schallgeschwindigkeit. Durch die experimentelle Messung der Wellenlänge wird bei bekannter Frequenz die Schallgeschwindigkeit berechnet.
Didaktischer Rahmen
Fachdidaktische Zielsetzung
In Abhängigkeit der Klassenstufe sollen die Schülerinnen und Schüler (SuS) qualitative physikalische Größen unter Verwendung der Fachsprache beschreiben können. In diesem Fall wird die Frequenz gestaucht wenn sich das Pendel auf die Ultraschall Sender-/ Empfängereinheit zubewegt.
Nötige Vorkenntnisse
Für ein besseres Verständnis sollten bei diesem Experiment der Frequenzbegriff bereits geklärt sein. Auch der Frequenzgenerator sollte vor dem Experiment vorgestellt werden. Der für den Menschen hörbare Frequenzbereich ist bekannt und ab welchen Frequenzen von Ultraschall gesprochen wird. Bei der Darstellung mit einem Oszilloskop sollte auch der Begriff Amplitude bekannt sein. Um das Messergebnis richtig interpretieren zu können, sollen die Schülerinnen und Schüler vorab wissen, wozu ein Oszilloskop verwendet wird und verstehen welche Messwerte es anzeigt.
Mögliche Schülerschwierigkeiten
Schülerinnen und Schüler können Schwierigkeiten dabei haben, warum Ultraschall nicht hörbar ist aber am Lautsprecher ein hörbarer Ton entsteht. Der Hintergund für diesen Effekt ist eine Überlagerung zweier Frequenzen. Diese wird beim Empfänger als Fourierreihe wahrgenommen, bei der jedoch nur der erste Summand der Reihe hörbar wird. Das Thema der Fourierreihen ist nicht Teil des Bildungsplans. Bei einem Schülerexperiment können Probleme bei der Bedienung des Oszilloskopes auftreten. Bei einem Demonstrationsexperiement ist darauf zu achten, dass alle Schülerinnen und Schüler eine gute Sicht auf die Anzeige des Oszilloskopes haben. Neben der Frequenz verändert sich auch die Amplitude. Dadurch kann der Eindruck entstehen, dass sich durch eine Veränderung des Abstandes nur die Lautstärke verändert.
Schülervorstellungen, die hier relevant werden
Im kindlichen Alter gehen Schülerinnen und Schüler (SuS) oft davon aus, dass ein Ton als punktförmiges Teilchen durch den Raum fliegt und aus einem Körper (wie zum Beispiel einer Stimmgabel) herausgeschlagen wird. In den Klassen 7/8 sowie 11/12 besteht diese Vorstellung meistens nicht mehr. Den SuS ist bewusst, dass sich Schall wellenförmig ausbreitet. Bei der Ausbreitung von Schallwellen gehen SuS davon aus, dass sich höhere Frequenzen schneller fortbewegen als tiefere.[1]
| Klassenstufe | Klasse 11/12 & 7/8 |
|---|---|
| Kategorie | Wellen & Akustik |
| Einordnung in den Bildungsplan von BW | 3.4.4 (1) / 3.5.4 (1) / 3.6.4 (1) & 3.2.2 (1) |
Versuchsanleitung
Benötigtes Material
- • Frequenzgenerator
- • Direktmischer gemäß Aufbauanleitung
- • 9 V Blockbatterie oder Netzgerät (30 V DC)
- • Oszilloskop
- • Aktive Lautsprecher
- • Ultraschallsender (UST-40T) und -empfänger (UST-40R) 40 kHz
- • Aufnahme für Ultraschallsensorik
- • USB-Stick für Bildaufnahmen aus Oszilloskop
Versuchsaufbau
- Schritt 1
- Zunächst wird ein Pendel aufgebaut. Der Pendelkörper (hier als Schirm bezeichnet) muss eine ebene Fläche sein und den Schall gut reflektieren. Dazu eignet sich beispielsweise eine Aluminiumplatte, welche an einem langen Faden befestigt wird. Ungeeignet sind Styroporplatten.
- Schritt 2
- Der Frequenzgenerator wird an den Ultraschallsender angeschlossen und auf eine Frequenz von eingestellt. Die maximale Betriebsspannung des Ultraschallsenders beträgt .
- Schritt 3
- Neben dem Ultraschallsender wird der Empfänger positioniert. Eine Aufnahme, welche mittels 3D Druck hergestellt wurde, hilft bei der Ausrichtung der Sensorik. Der Ultraschallempfänger wird an den Direktmischer angeschlossen.
- Schritt 4
- Der Direktmischer, wie in der nebenstehenden Abbildung dargestellt, mit einer Blockbatterie oder einer Gleichspannungsquelle mit Spannung versorgt. Das Ausgangssignal wird an ein Oszilloskop angeschlossen. An dem Trimmer des Direktmischers wird eine Mischfrequenz von ca. eingestellt. Am Oszilloskop wird eine Schwebungsfrequenz von gemessen.
- Schritt 5
- Wenn das Pendel in Bewegung versetzt wird, verändert sich die angezeigte Schwebungsfrequenz am Oszilloskop. Optional kann neben dem Oszilloskop noch ein Lautsprecher angeschlossen werden. Dadurch werden die Frequenzunterschiede hörbar.
- Hinweis
- Die Ultraschallsensorik, bestehend aus Sender und Empfänger, werden auf gleicher Höhe in einer Aufnahme platziert. Mit einem 3D Drucker wird eine Aufnahme angefertigt, in der die Sensorik platziert wird. Der Schaltplan des Direktmischers ist unter www.elexs.de zu finden.[2]
Versuchsdurchführung
Nach der Einstellung des Direktmischers wird am Oszilloskop die Schwebungsfrequenz im Ruhezustand dargestellt. Für die Versuchsdurchführung wird das Pendel in Schwingung versetzt. Die Schwebungsfrequenz wird niedriger, wenn sich das Pendel von der Ultraschallsensorik entfernt. Auf der anderen Seite steigt die Frequenz, wenn sich das Pendel auf die Schallquelle zubewegt. Die minimale Frequenz beträgt in diesem Fall und die maximale Frequenz . Es wird davon ausgegangen, dass das Pendel nur schwach gedämpft wird. Damit ist der Betrag der Geschwindigkeit des Schirms in beide Bewegungsrichtungen gleich groß.
Das Experiment kann qualitativ und quantitativ ausgewertet werden. Bei der quantitativen Auswertung wird auf die Messprogramme des Oszilloskops zurückgegriffen. Dabei wird die maximale und minimale Frequenz angezeigt. In der nebenstehenden Abbildung sind die beiden Frequenzen zu sehen.
Auswertung
Mit den gemessenen Frequenzen wird zunächst der Mittelwert berechnet. Im Idealfall entspricht der Mittelwert der zuvor eingestellten Ruhefrequenz. Die berechnete Ruhefrequenz beträgt
und damit weicht die Frequenz um ab. Mit dieser Frequenzabweichung wird die maximale Geschwindigkeit des Pendels berechnet. Diese ist
Bei einer bekannten Pendellänge kann mit diesem Ergebnis die Auslenkung des Pendels berechnet werden. Dadurch ist eine Wiederholung des vorherigen Themenbereichs Schwingungen möglich.
In der Klassenstufe 7/8 kann der Versuch mit Lautsprechern qualitativ durchgeführt werden. Die Schülerinnen und Schülern hören die Frequenzänderung des Tones in Abhängigkeit davon, ob sich das Pendel zur Sensorik hin oder wegbewegt.
Fehlerabschätzung
Mögliche Probleme und ihre Lösungen
- • Schülerinnen und Schüler können Schwierigkeiten dabei haben, warum Ultraschall nicht hörbar ist aber am Lautsprecher ein hörbarer Ton entsteht. Es ist darauf hinzuweisen, dass lediglich die eingestellte Modulation, also die einhüllende Frequenz, hörbar ist.
- • Bei einem Schülerexperiment können Probleme bei der Bedienung des Oszilloskopes auftreten. Bei einem Demonstrationsexperiement ist darauf zu achten, dass alle Schülerinnen und Schüler eine gute Sicht auf die Anzeige des Oszilloskopes haben.
- • Während der Pendelbewegung verändert sich die Amplitude der Modulationsfrequenz. Zudem verschiebt sich bei der Pendelbewegung auch die Phase, was am Lautsprecher ein Rauschen hervorrufen kann. Dadurch kann der Eindruck entstehen, dass sich durch die Pendelbewegung auch die Frequenz verändert.
Sicherheitshinweise
Verletzungsgefahr durch umkippende Versuchsaufbauten und sich lösende Teile. Durch den unsachgemäßen Gebrauch und/oder die Verwendung eines mangelhaften Geräts und/oder Anschlussleitung kann es zu lebensgefährlichen Körperströmen kommen. Von der Ultraschallquelle können Gefahren für Tiere ausgehen. Bei falscher Einstellung des Verstärkers und Lautsprechers können laute unangenehme Töne entstehen, welche Kopfschmerzen hervorrufen können.
Fotos
Literatur
- ↑ Schecker, Horst et. al. (2018): Schülervorstellungen und Physikunterricht. Springer Verlag.
- ↑ ELEXS - das Online-Magazin für Elektronik in Hobby und Ausbildung. Ultraschall Direktmischer. url: https://www.elexs.de/ultrason2.htm. Zuletzt aufgerufen: 25.09.2023.
Universität Stuttgart, 5. Physikalisches Institut, AG Physik und ihre Didaktik, lizenziert unter CC BY-NC-SA 4.0
