EXP:Zusammengesetzte Bewegungen: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Wiki Physik und ihre Didaktik
7>Cmuehlhuber
7>Cmuehlhuber
Zeile 139: Zeile 139:
   <div class="large-8 columns">
   <div class="large-8 columns">


Im Folgenden vernachlässigen wir Reibung wie den Luftwiderstand und gehen von einer konstanten Erdbeschleunigung <math>g</math> aus.  
Im Folgenden vernachlässigen wir Reibung und Luftwiderstand und gehen von einer konstanten Erdbeschleunigung <math>g</math> aus.  
Wenn der Wagen einmal angeschoben wurde, bewegt er sich mit einer geradlinig gleichförmigen Bewegung <math>v_\text{x}</math> auf der Schiene. Der zurückgelegte Weg auf der Schiene kann dann angegeben werden mit:
Wenn der Wagen einmal angeschoben wurde, bewegt er sich mit einer geradlinig gleichförmigen Bewegung <math>v_\text{x}</math> auf der Schiene. Der zurückgelegte Weg auf der Schiene kann dann angegeben werden mit:
:<math>
:<math>

Version vom 4. Dezember 2022, 20:04 Uhr


Die zusammengesetzte Bewegung anhand einer Flugparabel einer Kugel, die von einem fahrenden Wagen senkrecht nach oben abgeschossen und anschließend wieder aufgefangen wird, wird in diesem Versuch qualitativ gezeigt.

Didaktischer Rahmen

Fachdidaktische Zielsetzung

Bei diesem Experiment geht es vor allem um die prozessbezogene Kompetenz des Erkenntnisgewinns. Hierbei ist es die Aufgabe der Schülerinnen und Schüler, zielgerichtet zu experimentieren, zu modellieren und mathematisieren und ihr Wissen anzuwenden[1].

Dazu gehört, dass die Schülerinnen und Schüler vor Beginn des Versuchs Hypothesen zu dem Ausgang des Experiments aufstellen, die mathematische Umformungen zur Herleitung der quadratischen Gleichung durchführen und dabei ihr bereits erworbenes physikalisches Wissen über die verschiedenen Bewegungsarten anwenden.

Nötige Vorkenntnisse

Schülerinnen und Schüler benötigen Vorkenntnisse über die geradlinig gleichförmige (v=konstant) und die gleichmäßig beschleunigte Bewegung (v=at)[2]. Hierbeit sind jeweils die Gesetzmäßigkeiten des zurückgelegten Weges s in Abhängigkeit der Zeit t für die geradlinig gleichförmige Bewegung

s(t)=vt

und für die gleichmäßig beschleunigte Bewegung

s(t)=12at2

wichtig. Da dies ein Demoexperiment ist, benötigen Schülerinnen und Schüler keine weiteren Vorkenntnisse in Bezug auf den Umgang mit dem Experimentiermaterial.

Für einen vertieften Diskurs kann auf die Energieumwandlung im Katapult und der Kugel eingegangen werden, womit die Energieform der Spannenergie

ESpann=12Ds2,

der kinetischen Energie

Ekin=12mv2

und der Lageenergie

ELage=mgh

quantitativ beschrieben werden können sollte. Aus mathematischer Sicht werden Vorkenntnisse über Äquivalenzumformungen und das Lösen von Gleichungssystemen benötigt.

Mögliche Schülerschwierigkeiten

Eine Schwierigkeit könnte für Schülerinnen und Schüler darin liegen, dass aufgrund mangelnden Vorwissens über die geradlinig gleichmäßige und die gleichmäßig beschleunigte Bewegung keine Hypothesen über die zusammengesetzten Bewegungen aufgestellt werden können. Darüber hinaus könnten vor allem Lernende mit Schwächen in der Mathematik Schwierigkeiten beim Umformen und Aufstellen der quadratischen Gleichung haben.

Schülervorstellungen, die hier relevant werden

Schüler, die die Anmerkung missachten, dass in diesem Experiment der Luftwiderstand vernachlässigt wird, könnten Verständnisschwierigkeiten haben, wieso der Ball nach dem Parabelflug wieder im Wagen landet. Bei einem vergleichbaren Experiment, bei dem sich der Wagen mit höherer Geschwindigkeit bewegt, würde die Kugel durch den Luftwiderstand nämlich nicht wieder im Wagen landen.

Parabelbahn einer Kugel. Fotografiert von Christian Mühlhuber.
Allgemein
Klassenstufe Klasse 9/10
Kategorie Mechanik
Einordnung in den Bildungsplan von BW 3.3.5.2 Dynamik
Klassifikation
Quantitativ/Qualitativ Qualitativ (aber auch quantitativ möglich)
Demo-/Schülerexperiment Demonstrationsversuch
Unterrichtsphase Einstieg oder Vertiefung
Einzelversuch/Versuchsreihe Einzelversuch

Versuchsanleitung

Benötigtes Material

  • PASCO Smart Cart
  • PASCO Smart Cart Ballistisches Zubehör
  • PASCO Fahrbahn
  • Sparkview-App
  • Spiegelreflexkamera Canon EOS 77D
  • Stativ
  • Fernbedienung zum Auslösen der Kamera
  • LED-Leuchte
  • Schwarzer Stoff zum Abdecken des Tisches
  • Hintergrundsystem mit schwarzem Stoff
  • Kartons zum Abschatten
PASCO Experimentiermaterial, das für den Versuch der zusammengetzten Bewegung benötigt werden.

Versuchsaufbau

Um die Flugparabel durch eine Langzeitbelichtung sichtbar zu machen, muss die Kugel gegenüber dem Hintergrund einen guten Kontrast haben. Daher gibt es folgende Schritte zu beachten:

Schritt 1
Platzieren Sie die PASCO-Farbahn auf einer möglichst dunklen Decke, damit die Tische kein Licht reflektieren. Außerdem neigen weiße Flächen bei einer Langzeitbelichtung zum Ausbrennen, sodass dort keine Struktur mehr zu finden ist. Sorgen Sie auch für einen dunklen Hintergrund.
Schritt 2
Stellen Sie eine Leuchte in Richtung der Bahn auf und grenzen Sie den Lichtkegel so ein, dass möglichst wenig Licht auf den Hintergrund fällt.
Schritt 3
Platzieren Sie wenn nötig einen weiteren Karton, um Licht vom Hintergrund fern zu halten.
Schritt 4
Stellen Sie eine Kamera auf einem Stativ auf, wählen Sie den Bildausschnitt und schatten Sie das Objektiv entweder mit einer Streulichtblende oder mit einem Karton ab, um Flair zu vermeiden, der durch die Leuchte entsteht und den Kontrast der Bilder stark herabsetzt.
Versuchsaufbau und Aufnahmekulisse für die Flugparabel einer Kugel.

Versuchsdurchführung

Der Ballistik-Aufsatz von PASCO wird über ein Klinkenkabel mit dem Smart-Cart verbunden. Über die Sparkview-App kann anschließend das Smart-Cart über Bluetooth mit einem Tablet verbunden werden. Für das Ballistik-Zubehör existiert ein eigenes Fenster, über das ein Timer eingestellt oder das Katapult direkt ausgelöst werden kann. Das Katapult wird aktiviert, indem man den Ball in die Öffnung nach unten drückt und somit eine Feder spannt. Für die Aufnahme kann es hilfreich sein, wenn das Raumlicht ausgeschaltet wird.

Die Kameraeinstellungen werden so gewählt, dass die komplette Flugparabel der Kugel auf einer Belichtung zu sehen ist. Das oben zu sehende Bild mit der Flugparabel ist mit einer Belichtungszeit von 2 s und einer Blende von f/5.6 bei ISO 200 entstanden.

Die Durchführung dieses Versuchs lässt sich einfacher zu zweit durchführen, da neben der Bedienung der Kamera auch der Wagen angeschubst und das Katapult zeitlich stimmig ausgelöst werden müssen. Bei der Durchführung alleine stellt man am besten einen Selbstauslöser von 10 s an der Kamera ein und schiebt den Wagen an, wenn man das Auslösen der Kamera hört. Über die Sparkview-App lässt sich der Ballistik-Aufsatz dann direkt nach dem Anschieben des Wagens auslösen.

Auswertung

Im Folgenden vernachlässigen wir Reibung und Luftwiderstand und gehen von einer konstanten Erdbeschleunigung g aus. Wenn der Wagen einmal angeschoben wurde, bewegt er sich mit einer geradlinig gleichförmigen Bewegung vx auf der Schiene. Der zurückgelegte Weg auf der Schiene kann dann angegeben werden mit:

sx=vxt(1).

Die Kugel wird von dem Katapult senkrecht nach oben mit der Auswurfgeschwindigkeit vy0 ausgeworfen. Hierbei wird die Kugel jedoch wieder durch die Gravitationskraft mit der Erdbeschleunigung nach unten beschleunigt. Es folgt in senkrechter Richtung eine gleichmäßig beschleunigte Bewegung mit dem zurückgelegten Weg:

sy=vy0t12gt2(2).

Formt man nun Gleichung (1) nach der Zeit t um und setzt diese anschließend in Gleichung (2) ein, so folgt:

sy=vy0sxvx12g(sxvx)2.

Deutlicher wird die quadratische Gleichung durch Umformung mit:

sy=(vy0vx)sx(g2vx2)sx2(3).

Diese Gleichung zeigt, dass die Flugbahn der Kugel eine zusammengesetzte Bewegung aus einer gleichförmig geradlinigen Bewegung und einer gleichmäßig beschleunigten Bewegung (mit Auswurfgeschwindigkeit vy0) ist. Der Graph dieser Gleichung ist eine nach unten geöffnete Parabel.

Möchte man Gleichung (3) vertieft behandeln, so könnte vy0 über die Energieerhaltung von Span- und kinetischer Energie über

vy0=Ds2m

oder über die Energieerhaltung von kinetischer Energier und Lageenergie über

vy0=2gh

bestimmt werden.

Wie man auf dem nebenstehenden Bild sehen kann, hat die Flugkurve des Balls die Form einer nach unten geöffneten Parabel, was mit der eben hergeleiteten Gleichung übereinstimmt. Für eine quantitative Auswertung könnte man nun über das Video die Flugzeit und über die Maße des PASCO-Wagens die Länge bestimmen, womit sich die Koeffizienten der quatratischen Gleichung bestimmen lassen würden.

Flugparabel einer Kugel aufgenommen in einer Langzeitbelichtung mit 2 s.

Fehlerabschätzung

Da dieses Experiment nur ein qualitatives Ergebnis ausgiebt, kann eine Fehlerabschätzung auch nur qualitativ durchgeführt werden. Auf eine nähere Betrachtung wird hier daher verzichtet.

Mögliche Probleme und ihre Lösungen

Motivkontrast
Bei diesem Experiment ist es wichtig, dass zwischen der Kugel und dem Hintergrund ein genügend großer Kontrast ist, damit diese in einer Langzeitbelichtung wahrgenommen wird. Ein hoher Kontrast wird dadurch geschaffen, dass zum einen die Bahnebene der Kugel beleuchtet und der Hintergrund durch ein dunkles Tuch abgedunkelt wird. Hierbei darf kein Licht der Leuchten auf den Hintergrund oder in das Objektiv fallen, da sonst der Hintergrund heller werden und Flair im Objektiv entstehen würde.

Sicherheitshinweise

Bei diesem Versuch besteht Gefahr durch die fliegende Kugel und den fahrenden Wagen. Halten Sie Ihren Kopf nicht über den Ballistik-Aufsatz während die Feder des Katapults gespannt ist.

Fotos


  • slide 1
        Parabelbahn
    
  • slide 2
         Fotografie-Aufbau
    

Literatur

  1. Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg, und Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung, [Hrsg.]. Bildungsplan des Gymnasiums Physik. Villingen-Schwenningen : Neckar-Verlag GmbH, 2022.
  2. Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg, und Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung, [Hrsg.]. Bildungsplan des Gymnasiums Physik. Villingen-Schwenningen : Neckar-Verlag GmbH, 2022.
88x31.png Universität Stuttgart, 5. Physikalisches Institut, AG Physik und ihre Didaktik, lizenziert unter CC BY-NC-SA 4.0